ein ausflug zu dritt

und dann war es natürlich so, dass J. gesagt hat, er habe von anfang an nicht mit uns rausfahren wollen, er habe keine ahnung, wie wir darauf gekommen seien, er wolle mit uns rausfahren.
‚rausfahren? mit euch?‘, hat er gefragt. ‚wenn ich eines bestimmt nicht will, dann mit euch rausfahren!‘
aber das kann er nicht so gemeint haben, auch wenn er das kurz gesagt hat.
erst wollte er wirklich nicht mit uns rausfahren.
‚wenn ihr mich jetzt fragen würdet, ob ich mit euch rausfahren will‘, hat er gesagt, ‚dann würde ich sagen: ich will nicht mit euch rausfahren.‘

wir hatten ja die idee, einen ausflug zu machen. einfach mal raus aus der stadt, aufs land. die ganze zeit ist man in der stadt, da tut es gut, mal rauszukommen. irgendwohin aufs land.

wir haben J. von unserem plan erzählt. dass wir einfach mal rausfahren wollen, raus aus der stadt. ob er nicht lust habe mitzukommen. und J. hat gesagt, nein, er komme nicht mit.
dann haben wir ihn gefragt, warum er denn nicht mitwolle. ‚J.‘, haben wir gefragt, ‚warum willst du denn nicht mit? mal raus aus der stadt, aufs land?‘
darauf hat er geantwortet, dass er keine lust habe, aufs land zu fahren. dass er gar nicht raus wolle aus der stadt.
‚warum soll ich mit‘, hat er geantwortet, ‚mit raus aufs land, wenn ich mich doch hier in der stadt wohlfühle?‘
wir haben entgegnet, dass es ja durchaus sein könne, dass er sich hier in der stadt wohlfühle. dass er sich aber auf dem land vielleicht auch wohlfühlen werde.
worauf er erwiderte, dass er nicht verstehe, warum er von einem ort, an dem er sich auf jeden fall wohlfühle, an einen ort fahren solle, von dem es zwar sein könne, dass er sich dort auch wohlfühle, man aber nicht sicher sein könne, dass er sich wohlfühlen werde.
natürlich könne man nicht sicher sein, dass J. sich auf dem land ebenso wohlfühlen werde, wie er es in der stadt tue, haben wir gesagt. aber ob er es nicht einfach drauf ankommen lassen wolle, haben wir wissen wollen.

J. hat kurz überlegt und dann gefragt, was wir denn überhaupt auf dem land machen wollten, falls er es drauf ankommen lassen wolle: ‚was wollt ihr denn überhaupt auf dem land machen, falls ich es drauf ankommen lassen wollte?‘
wir haben gesagt, dass wir das noch nicht wüssten. das werde sich dann von selbst ergeben.
J. hat gesagt, dass er bezweifle, dass sich das von selbst ergebe. es könne zwar sein, dass sich etwas ergebe. aber ob sich etwas von selbst ergebe, da hege er zweifel.
wie solle sich etwas denn nicht von selbst ergeben, haben wir gefragt. alles ergebe sich von selbst. es sei denn, man würde etwas planen. und auch da ergebe sich viel von selbst.
das sei nicht dasselbe, hat J. gesagt. planen sei definitiv nicht dasselbe wie darauf zu vertrauen, dass sich etwas von selbst ergebe. entweder man wisse zumindest, was man machen wolle, oder man wisse es nicht. in beiden fällen bleibe fraglich, ob sich etwas von selbst ergebe.

gut, haben wir gesagt. dann würden wir eben etwas planen.
wir würden planen, ein bad im see zu nehmen.
‚ein bad im see?‘, hat J. gefragt und dabei sehr skeptisch ausgesehen.
‚ja, ein bad im see‘, haben wir geantwortet. wir hätten etwas geplant, und das sei ein bad im see.
aber für ein bad im see sei es doch viel zu kalt, hat J. gesagt und uns dabei auf die jahreszeit aufmerksam gemacht. ob wir wüssten, was gerade für eine jahreszeit sei.
natürlich haben wir gewusst, was gerade für eine jahreszeit ist. aber darum ist es doch gar nicht gegangen. wir haben doch nur etwas geplant, damit sich nicht etwas von selbst ergibt.
ein plan, der nicht dazu gemacht worden sei, dass man ihn auch in die tat umsetzen könne, sei kein richtiger plan, hat J. eingewandt. er wolle einen plan, der auch in die tat umgesetzt werden könne.

gut, haben wir gesagt, wenn es ihm so wichtig sei, dass wir etwas planen würden, das auch in die tat umgesetzt werden könne, dann würden wir planen, uns in ein lokal zu setzen.
J. hat zwar zugegeben, dass das in der tat ein plan sei, der auch in die tat umgesetzt werden könne, er aber keinen sinn darin sehe, einen ausflug zu machen, raus aus der stadt, aufs land, um sich dort in ein lokal zu setzen.
warum er denn keinen sinn darin sehe, haben wir gefragt. man könne durchaus einen ausflug machen und sich dann in ein ausflugslokal setzen.
dann könne man genauso gut keinen ausflug machen und sich in ein lokal setzen, hat J. gesagt.
in ein lokal schon, aber in kein ausflugslokal, haben wir geantwortet.
auch hätte man dann keinen ausflug gemacht, keinen ausflug raus aus der stadt, aufs land.

ob J. mit raus aus der stadt, aufs land käme, wenn wir einen plan hätten, der auch in die tat umgesetzt werden könne, der nichts  mit einem lokalbesuch zu tun habe, haben wir gefragt.
‚vielleicht‘, hat J. geantwortet, vielleicht komme er in diesem falle mit.
‚gut‘, haben wir gesagt, ‚dann fahr’n wir raus aufs land und spielen etwas federball. etwas federball auf dem land.‘

wenn das so sei, hat J. gesagt, dann wolle er nicht mit uns rausfahren. nicht wenn wir etwas federball spielen wollten. bis eben habe er noch nachgedacht über einen ausflug zu dritt. dass wir nun etwas federball spielen wollten, passe in seinen augen nicht zu der anzahl der ausflügler, über die wir hier sprächen.
‚aber J.,‘ haben wir zu J. gesagt. ‚was hat denn ein ausflug zu dritt damit zu tun, dass wir etwas federball spielen wollen?‘
bei einem ausflug zu dritt, hat J. entgegnet, wolle man doch auch tätigkeiten zu dritt verrichten. wie könne man eine tätigkeit zu dritt verrichten, die nur für zwei gedacht sei?
das eine habe doch mit dem andern nichts zu tun, haben wir erwidert. ein ausflug zu dritt impliziere nicht zwangsläufig eine tätigkeit zu dritt. zwar sei es möglich, eine tätigkeit zu dritt zu verrichten, aber nötig sei es nicht. möglich, aber nicht nötig.
es gebe ja auch tätigkeiten zu dritt, haben wir hinzugefügt, die man auf einem ausflug zu viert verrichten könne.
das würde ihn nun doch interessieren, hat J. sich interessiert gezeigt, was es denn für tätigkeiten gebe, die man zu dritt, aber nicht zu viert verrichten könne.
‚J.‘, haben wir gesagt, ‚da überlegen wir erst gar nicht. dass eine tätigkeit zu dritt verrichtet wird, heißt ja noch lange nicht, dass sie zu viert nicht verrichtet werden kann.‘
‚ja‘, hat J. gesagt, ‚das ist gut möglich. doch was ist, wenn wir nun rausfahren, raus aus der stadt, aufs land, zwei spielen etwas federball und einer nicht? was macht der eine dann solang?‘
‚der eine wartet auf die zwei‘, haben wir geantwortet. ‚zwei spielen etwas federball, und einer wartet.‘

aber was sei, wenn langeweile aufkomme? langeweile bei dem, der warte?, hat J. sich erkundigt.
warum er glaube, dass bei dem, der warte, langeweile aufkomme, haben wir gefragt. es sei doch auch gut möglich, dass langeweile bei denen aufkomme, die etwas federball spielen würden. grundsätzlich könne immer langeweile aufkommen.

doch was sei mit der dunkelheit, hat J. gefragt. was sei, wenn wir von der dunkelheit überrascht würden?
wir würden zwar aufs land fahren, raus aus der stadt, haben wir J. beruhigt, doch hätten wir ja nur den plan, etwas federball zu spielen.
ob man da nicht von der dunkelheit überrascht werden könne, wenn man etwas federball spiele, hat J. wissen wollen: ‚kann man nicht von der dunkelheit überrascht werden, wenn man etwas federball spielt?‘
’nein‘, haben wir gesagt, ‚kann man nicht.‘ zwar könne es sein, dass es, während man etwas federball spiele, dunkler werde, aber überrascht werde man davon nicht. vielleicht, haben wir hinzugefügt, werde man ja von etwas anderem überrascht.

von was könne man denn sonst überrascht werden, hat J. wissen wollen.
das sei ja das überraschende, haben wir erklärt, dass man das im vorhinein nicht sagen könne.
aber falls ihm daran gelegen sei, mutmaßungen anzustellen, so würden wir vorschlagen, dass man von einem schützenfest überrascht werden könnte.
ihm sei keinesfalls daran gelegen, mutmaßungen anzustellen, hat J. erwidert, warum wir glauben würden, dass ihm daran gelegen sei, mutmaßungen anzustellen.
gut, haben wir eingelenkt, dann sei ihm eben nicht daran gelegen, mutmaßungen anzustellen. dennoch könne es gut sein, dass wir von einem schützenfest überrascht würden.
gewiss, das sei möglich, hat J. zugestimmt, man könne von fast allem überrascht werden, die dunkelheit mal ausgenommen. solange man nicht damit rechne, überrascht zu werden.
‚falsch!‘, haben wir gerufen, selbstverständlich könne man damit rechnen, überrascht zu werden. nur könne man nicht wissen, wovon man überrascht werde, und selbst wenn man damit rechne, von etwas bestimmtem überrascht zu werden, bleibe immer noch offen, ob man dann tatsächlich überrascht sei.

’nun gut‘, hat J. gesagt, was denn nun wäre. wann wir denn losführen, raus aus der stadt, aufs land? auch wenn die dunkelheit uns nicht überrasche, wäre es eventuell von vorteil, den ausflug zu beginnen, solange es noch hell sei. ob wir uns nicht langsam fertig machen wollten.
‚uns langsam fertig machen?‘, haben wir gefragt, ‚warum denn das?‘
‚damit wir heute noch rechtzeitig loskommen‘, hat J. gesagt. ‚es wäre von vorteil, den ausflug zu beginnen, solange es noch hell ist.‘

‚heute?‘, haben wir weitergefragt, ‚wer spricht denn von heute?‘ ob irgendwann, zu irgendeinem zeitpunkt von heute die rede gewesen sei.
zwar hätten wir J. gefragt, ob er mit uns rausfahren wolle, raus aus der stadt, aufs land. doch heute komme nicht infrage.
warum denn heute nicht infrage komme, hat J. wissen wollen.
weil uns der sinn nicht danach stehe, haben wir gesagt.
aber wir hätten doch gerade noch gesagt, es täte gut, mal rauszukommen, und ihn gebeten mitzukommen. mit raus aufs land, auf einen ausflug zu dritt.
da widersprächen wir ihm gar nicht, haben wir geantwortet. dies alles stimme nach wie vor. nur heute, heute komme nicht infrage. wenn ihm daran gelegen sei, noch heute einen ausflug zu dritt zu machen, könne er dies gern alleine tun.

und dann war es natürlich so, dass J. gesagt hat, er habe von anfang an nicht mit uns rausfahren wollen, er habe keine ahnung, wie wir darauf gekommen seien, er wolle mit uns rausfahren.
’subjekte!‘ hat er noch gerufen, dann ist er rausgefahren. raus aus der stadt, aufs land.

 

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