Preisträger 2023: Robert Lucaciu

Der „Kathrin-Preis“ 2023 geht an den Kontrabassisten Robert Lucaciu

Robert Lucaciu - Photo: Nikolas Fabian Kammerer
R. Lucaciu – Photo: Nikolas Fabian Kammerlander


Der Leipziger Kontrabassist Robert Lucaciu wird mit dem „Kathrin-Preis / Kathrin Lemke Scholarship for Young Jazz Improvisers 2023″ ausgezeichnet. Der Preis ist nach der 2016 im Alter von nur 44 Jahren verstorbenen Berliner Jazz-Saxofonistin Kathrin Lemke benannt, die am 27. September 1971 in Heidelberg geboren wurde.

Gemeinsam mit Kathrin Lemkes Mutter Irene Lemke-Stein, der Mannheimer DESTAG-Stiftung, dem Internetportal jazzpages.de und der Zeitschrift JAZZTHETIK stiftet das Jazzinstitut Darmstadt die Auszeichnung, die alle zwei Jahre in Form einer vollfinanzierten, einwöchigen Werkstattphase in Darmstadt gewährt wird.

2019 erhielt der Perkussionist Joss Turnbull die Auszeichnung. 2021 die Saxofonistin Luise Volkmann.  Die Residenz-Woche mit Robert Lucaciu und seiner Band Fallen Crooner findet vom 15. bis 20. Mai 2023 statt. Den Abschluss bildet die offizielle Verleihung des Kathrin-Preises während des Preisträgerkonzerts am 20. Mai 2023 in Darmstadt.

Neben Robert Lucaciu waren sieben weitere Musikerinnen und Musiker von den Mitgliedern der achtköpfigen Jury für den Preis nominiert worden: Lukas Akintaya, Leonhard Huhn, Almut Kühne, Laura Robles, Isabel Rößler, Hanna Schörken und Emily Wittbrodt.

Wolfram Knauer (Juryvorsitzender): „Robert Lucaciu will mit seiner Band Fallen Crooner politische Fragen mit Mitteln des Humors auskundschaften – toxische Männlichkeit etwa, Heteronormativität oder Alltagsrassismus. (…) Lucaciu lebt die von ihm vorgeschlagene Projektidee auch biographisch, in seinen musikalischen Aktivitäten genauso wie seinem gesellschaftlichen Engagement. Diese Glaubwürdigkeit und Authentizität hat die Jury maximal überzeugt.“

Pressbild Robert Lucaciu (Druckfähige Auflösung / Foto: Nikolas Fabian Kammerlander)

Informationen zum geplanten Projekt von Robert Lucaciu: Vom Versuch, den Humor im Jazz zu erforschen

Für den Leipziger Kontrabassisten Robert Lucaciu ist Humor genau wie die Improvisation eine Kulturleistung und Kulturtechnik. Gemeinsam mit anderen Musikerinnen und Musikern möchte er in seiner einwöchigen Residenz im Rahmen des Kathrin-Preises 2023 – Kathrin Lemke Scholarship for Young Jazz Improvisers herauszufinden, welche Absichten hinter Humor und Improvisation lauern, was sie im Kern miteinander verbindet und wie sie zusammen funktionieren.

„Die Begrifflichkeiten Humor, Ironie, Sarkasmus und Zynismus auszudifferenzieren und improvisatorisch für meine Band FALLEN CROONER anwendbar zu machen, ist mein Ziel für die gemeinsame Arbeitswoche in Darmstadt“, sagt Lucaciu.
Aber wie entwickelt man als Band die „Sprachkompetenz“ und das Einfühlungsvermögen, um Humor möglichst authentisch in Klang zu übertragen? Welches Vorwissen ist nötig, bei Publikum und Ausführenden, um Witz in der Musik zu erkennen? Und steigert humorvolle Musik möglicherweise auch die Zugänglichkeit zu tiefergreifenden, gesellschaftspolitischen Botschaften, die mit ihr transportiert werden sollen?

Lucaciu möchte Humor vor allem nicht aus einer Position der Überlegenheit, als Nachweis der eigenen musikalischen Exzellenz und Ausdruck künstlerischer Hybris in seine Musik integrieren, sondern mit seiner Hilfe die eigenen Privilegien ebenso wie die strukturellen Probleme unserer postmodernen Gesellschaften sichtbar machen. Eine Parallele zwischen Improvisationsmusik und Humor hat er dabei bereits identifiziert: das männlich dominierte Arbeitsumfeld – im Humor wie im Jazz.

Inhaltlich beschäftigt sich Robert Lucaciu in seinem Bandprojekt FALLEN CROONER schon länger mit den Themen Männer, Männlichkeitsbilder und toxische Männlichkeit und hat dort mit Laura Totenhagen, Shannon Barnett, Sofìa Salvo, Pascal Klewer und Moritz Baumgärtner die idealen Komplizinnen und Komplizen gefunden.

Bei all diesen Fragestellungen wünscht sich der Preisträger in Darmstadt unter anderem von einer Kulturwissenschaftlerin Antworten zu erhalten. Sie soll ihm und seiner Band einen wissenschaftlichen Einblick in das Feld Humor geben. Zugleich möchte er mit und Vertreterinnen und Vertretern anderer Kunstformen in Austausch treten, um dann beim Preisträgerkonzert am 20. Mai 2023 in Darmstadt eine musikalische Premiere zur Aufführung zu bringen, die mit Humor von drastischen Themen wie Maskulinisten, Heteronormativität oder „Cat Calling“ erzählen kann.

Termin: Robert Lucaciu wird vom 15. bis zum 20. Mai 2023 in Darmstadt an seinem Projekt arbeiten. Am Samstag, dem 20. April 2023, wird er bei einem Konzert in Darmstadt offiziell den Kathrin-Preis 2023 entgegennehmen.

Printfähiges Foto (frei zur Veröffentlichung) und weitere Infos inklusive mp3-Soundfile (25 sec) aus der Bewerbung des Preisträgers 2023 Robert Lucaciu sowie Foto von Kathrin Lemke unter: https://tinyurl.com/5dswpjkr

Informationen zur Preisträger Robert Lucaciu (Kontrabass & Komposition)

Der 1988 geborene Kontrabassist und Komponist Robert Lucaciu stammt ursprünglich aus Plauen in Sachsen. Auch beide Eltern und seine Brüder Simon und Antonio sind professionelle Musiker.
Robert begann mit sieben Jahren auf dem Cello, debütierte mit klassischem Repertoire bei „Jugend musiziert“ in Sachsen, entdeckte für sich den Reiz des freien Klangs und damit den Jazz und war auch hier im Rahmen von „Jugend jazzt“ erfolgreich. Viel wichtiger war ihm aber die Erfahrung des gemeinsamen Musizierens mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten, die ihm diese Förderprogramme ermöglichten.
Mit 15 Jahren wechselte er zum Kontrabass um an der Aufnahmeprüfung für die „Kinderklasse“ an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig teilnehmen zu können. „Dies war vor allem psychologisch ein wichtiger Schritt für mich. Die Unabhängigkeit jede Woche auf mich allein gestellt nach Leipzig zu reisen und somit auch dem sozialen Kosmos der für mich einengenden Schule zu entrinnen, bestärkte mich entscheidend in meiner musikalischen Entwicklung“, erinnert er sich.

2008 begann er sein Jazzstudium an der Hochschule Felix Mendelsohn-Bartholdy in Leipzig und begann anschließend noch ein Jazzkompositionsstudium an der Hochschule für Musik in Dresden. Schon während des Studium kam der rasante Aufstieg, spielte er in der Band von Schlagzeugerin Eva Klesse, gewann mit ihr den ECHO Jazz, tourte mit Klesse, dem Trio des Gitarristen Arne Jansen und anderen Projekten für das Goethe-Institut um die ganze Welt.
2017 nahm er sich eine persönliche Auszeit. Er zog sich ad hoc von den allermeisten seiner musikalischen Aktivitäten zurück, um über eine Zukunft als professioneller Musiker ernsthaft nachzudenken. Es folgte ein radikaler Schnitt. Lucaciu fuhr Taxi, pausierte vom Konzertbetrieb. „Im Nachhinein glaube ich, dass dieser Abstand zu meiner Tätigkeit als Musiker und Künstler bisher die vielleicht größten Erkenntnismomente in sich trug. Ich nahm mir Zeit, mich kritischer mit meiner direkten Umwelt und mir selbst zu befassen, politische und patriarchale Strukturen zu erkennen und zu hinterfragen – im Allgemeinen, aber insbesondere auch an mir selbst.“
Ein Lehrauftrag als Jazzbassist an der Hochschule für Tanz und Theater in Hannover brachte ihn 2019 wieder näher an die überregionale Jazzszene heran. Gleichzeitig begann er sich sozial und kulturpolitisch zu engagieren, lebte ein halbes Jahr in Griechenland, wo er sich in der Geflüchteten-Arbeit einbrachte und gründete mit anderen Musikerkolleginnen und Musikerkollegen den Landverband Jazz in Sachsen e.V.. Im Frühjahr 2022 wurde er zudem in den Vorstand der Deutschen Jazzunion gewählt.

Inzwischen hört und sieht man den inzwischen 34jährigen Robert Lucaciu wieder als Sideman in vielen Projekten, ob mit Baby Sommer, der Kölner Saxophonistin Theresia Philipp oder dem genreübergreifenden Projekt CABARET CATATONIQUE. Seine eigene Stimme als komponierender Bassist findet er vor allem im Sextett FALLEN CROONER mit Laura Totenhagen (Stimme), Pascal Klewer (Trompete), Shannon Barnett (Posaune), Sofia Salvo (Baritonsaxophon) und Moritz Baumgärtner (Schlagzeug) sowie im Duo mit der Vibraphonistin und Perkussionistin Evi Filippou.

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