Kathrin Lemke

Die in Heidelberg geborene Altsaxophonistin, Komponistin und Bandleaderin Kathrin Lemke starb am 22. Januar 2016 in Berlin. Sie wurde nur 44 Jahre alt. Mit ihren Formationen JazzXclamation und Heliocentric Counterblast veröffentlichte Kathrin Lemke zwischen 2001 und 2016 sechs CDs. Ihre letzten Aufnahmen sind auf der CD „Kreuzblendentraum“ von Volker Meitz‘ Projekt Schwedt zu hören.

 

 

Kathrin Lemke war eine vielseitig interessierte Künstlerin, die sich neben der Musik auch mit Literatur und Philosophie beschäftigte. Ihre wahrscheinlich größten musikalischen Leidenschaften waren das Werk des exzentrischen Visionärs des Afrofuturismus, Sun Ra, und die Musik ihrer eigenen Kindheit und Jugend, die sie am Neckar verbrachte. Letzterer widmete sie ihr letztes Album unter ihrem eigenen Namen: Kathrin Lemke Quartett, „My Personal Heimat“, das 2016 nach ihrem Tod erschienen ist.

 

„Ich hab‘ Moll lieber als Dur: Da kann man
mehr nachdenken über das Leben.“
(Kathrin mit etwa 9 Jahren)

 

Im Jahr 2005 erhielt Kathrin Lemke vom Berliner Senat ein zweimonatiges Förderstipendium für New York, eine Zeit, die sie selbst als „total ersprießlich“ bezeichnete und die sie für intensive Studien nutzte. Sie hatte Unterricht bei Marty Ehrlich, bei Greg Osby und auch bei Rozanne Levine und ihrem Mann Mark Whitecage. Mit Lukas Ligeti trat sie auf und blieb mit ihm in freundschaftlichem Kontakt.

Kathrin Lemke war nicht nur nimmermüde Musikerin, sondern auch engagierte Pädagogin und Vermittlerin musikalischer Ideen. Als solche war sie mit der Wirklichkeit des Lebens einer Jazzmusikerin vertraut. Von 2011 bis 2014 verfasste sie 20 Folgen der Kolumne „Mein fabulöser Jazz-Alltag“ in der Zeitschrift JAZZTHETIK, in der sie sich ebenso humorvoll wie ernsthaft mit den alltäglichen Problemen eines Jazzmusikers auseinandersetzte. Als Workshop-Dozentin unter anderem bei den Darmstädter Jazz Conceptions 2015 blieb sie bis zum Schluss und trotz ihrer schweren Erkrankung immer eine zugewandte und inspirierende Lehrerin.

 

| Kathrin Lemkes Website (ist auf ihrem letzten Stand online)

| Review von Harry Schmidt: Heliocentric Counterblast „Planetary Tunes“ (JAZZTHETIK 1/2 2015)

| Hans-Jürgen Linkes Nachruf auf Kathrin Lemke – PDF (JAZZTHETIK 3/4 2016)

| Ralf bei der Kellen über „My Personal Heimat“ – PDF (JAZZTHETIK 11/12 2016)

| Hans-Jürgen Linke über den Kathrin-Preis – PDF (JAZZTHETIK 07/08 2018)

 

 

 

„Manna für
die Hörmuscheln“
(Michael Naura)